Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit

17. März 2022

Obwohl im Frühling das Leben rundherum erwacht, fühlen sich gerade jetzt viele Menschen schlapp und antriebslos. Für die Frühjahrsmüdigkeit ist ein Hormonumschwung verantwortlich. Die beiden Hormone Melatonin und Serotonin werden hauptsächlich über die Menge an natürlichem Licht geregelt. Erhöht sich die Sonneneinstrahlung im Frühjahr, produziert der Körper vermehrt das Glückshormon Serotonin. Steigt jedoch der Serotoninanteil im Körper, reduziert sich gleichzeitig das Schlafhormon Melatonin, das bei wenig Licht im Winter ausgeschüttet wird. Dieser Systemwechsel strengt den Körper an und dauert Zeit – darum ist der alljährliche Durchhänger im Frühling völlig normal. 

Und damit steht man auch nicht alleine da. Nahezu jeder zweite Mensch leidet statistisch gesehen an Frühjahrsmüdigkeit.  Sie wird nicht nur von Erwachsenen wahrgenommen, auch Kinder spüren die körperlichen Beschwerden beim Wechsel der Jahreszeiten.

Frühjahrsmüdigkeit hat viele Gesichter

Während rund zwei Dittel der befragten Frauen in einer Studie über Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Trägheit, bleierne Müdigkeit, Kreislauf- und Blutdruckprobleme, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Gereiztheit klagen, werden diese Angaben von nur der Hälfte der befragten Männer bestätigt.

Auslöser der FrühjahrsmüdigkeitFrühjahrsmüdigkeit

Einige unserer Hormone, das Glückshormon Serotonin und das Schlafhormon Melatonin werden durch Lichteinfluss gesteuert.   Wird, wie in den Wintermonaten üblich, dem Körper zu wenig Licht zugeführt, bleibt der Serotoninspiegel auf niedrigem Niveau. Serotonin ist der aktivierende Botenstoff für unseren Organismus und sorgt auch für Zufriedenheit und Gelassenheit. Kein Wunder also, dann ein Mangel uns in die Trägheit führt.

Melatonin hingegen ist als Gegenspieler von Serotonin tätig. Bei niedriger Lichtzufuhr über die dunklen Wintermonate erhöht sich der Spiegel des Schlafhormons. Als Folge stellt sich Antriebslosigkeit, Schlafbedürfnis und ein Ruhemodus ein.

Evolutionstechnisch gesehen ist der hormonell gesteuerte Wintermodus ein sehr kluger Schachzug der Natur, denn früher mussten die Menschen im Winter mit ihrer körpereigenen Energie haushalten und sich mehr der Ruhe hingeben. Lange Streifzüge zur Nahrungsbeschaffung und zur Jagd waren nicht mehr möglich, man ernährte sich eher spärlich von den Wintervorräten und sammelte Kraft für das kommende Frühjahr. Unsere Gene sind immer noch die gleichen, nur müssen wir uns das ganze Jahr über an einen unnatürlichen Rhythmus anpassen.

Die Serotoninproduktion ankurbeln 

Mit dem ersten Auftanken an Sonnenstrahlen und mehr Bewegung an der frischen Luft erhöht sich unser Serotoninspiegel wieder und damit kommen die Lebensgeister zurück. Gleichzeitig wird durch die vermehrte Tageslichtzufuhr der Melatoninspiegel gesenkt, die Müdigkeit lässt wieder nach, wir haben wieder mehr Lebensenergie.

Die Leber ist unser größtes Stoffwechselorgan und unermüdlich für uns im Einsatz. Sie verwertet und speichert Nährstoffe, baut diese um und gibt sie zu gegebener Zeit wieder frei. Sie ist ständig damit beschäftigt unseren Körper zu entgiften, von Schadstoffen zu befreien und unseren Lebenssaft, das Blut, zu reinigen.

Ist die Leber durch den Genuss von fetthaltigen Speisen, alkoholischen Getränken sowie zu viel Fruchtzucker aus Softgetränken oder süßen Säften überlastet, fördert dass die Müdigkeit. Jetzt hilft eine erhöhte Zufuhr von Bitterstoffen und Ballaststoffen der Leber sich zu regenerieren.

Yoga gegen Frühjahrsmüdigkeit

Wer seine Frühjahrsmüdigkeit aktiv reduzieren möchte, sollte sich morgens früher aus dem Bett quälen, um sich so ganz bewusst Zeit für einen Tagesenergiekick zu nehmen. Dafür folgt auf ein ausgiebiges Stretching nach dem Aufwachen eine kurze Yoga-Session, bestehend aus soften Bewegungsabläufen. Der im Yoga weitverbreitete Sonnengruß eignet sich perfekt, um wach und klar in den Tag zu starten. Die fließenden Asanas (Körperstellungen) aktivieren die gesamten Muskeln sowie das Herz-Kreislauf-System. Die richtige Übungsreihenfolge beginnt mit der aufrechten Berghaltung „Tadasana“ und führt fließend weiter in den gestreckten „Heraufschauenden Baum“, die Vorbeuge A und B, den „Viergliedrigen Stab“, die „Kobra-Pose“, die Brückenhaltung „Herabschauender Hund“ und wieder zurück bis zur Ausgangsposition. Während der Bewegung ist vor allem eine bewusste, tiefe Atmung entscheidend. Der Körper wird so automatisch mit frischem Sauerstoff versorgt. Grundsätzlich benötigt man für die morgendlichen Übungen nicht mehr als zehn Minuten. Wer ein bisschen mehr Abwechslung wünscht, ergänzt sein tägliches „Wake-up-Training“ mit weiteren passenden Asanas wie „Brücke“ oder „Kamel“.

Wer trotz guter Vorsätze keine Lust auf morgendliche Yogasessions hat, dem können bereits reinigende Atemübungen helfen, um den Körper aufzuwecken und ihn mit frischer Energie zu versorgen. Eine Technik heißt „Kapalabhati“, die als sogenannte „Feueratmung“ dabei hilft, den Stoffwechsel anzuregen sowie Geist und Körper zu aktivieren. Dafür setzt man sich gemütlich, beispielsweise im Schneidersitz, auf den Boden und achtet auf eine gerade Körperhaltung. Die Augen werden geschlossen und von nun an nur noch auf die eigene Atmung geachtet. Um sich noch intensiver zu konzentrieren, legt man eine Hand auf den Bauch und spürt, wie sich dieser beim Luftein-/Luftausholen vor- und zurückbewegt. Nun heißt es ganz tief durch die Nase einatmen, sodass die Lunge mit reichlich Luft gefüllt ist. Im Anschluss wird, ebenfalls durch die Nase, mit leichtem Druck ausgeatmet, wodurch leichte Zisch- oder Schnaufgeräusche entstehen – fast so als wenn man eine Kerze auspustet, aber durch die Nase. Um sich noch tiefer in dem Moment zu finden, hilft es, sich vorzustellen, dass die ganze aufgesogene Energie durch die Nase wieder nach draußen strömt. Diese Übung sollte rund 20-mal wiederholt werden und circa fünf Minuten andauern. Danach bleibt man am besten noch ein paar Minuten mit geschlossenen Augen sitzen, um wieder ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Wer schwanger ist, sollte diese Übung allerdings nicht anwenden.

Ab nach draußen

Der Frühling versprüht nicht nur das Gefühl von Neuanfang, sondern erinnert auch an die Besonderheit eines jeden Moments. Wenn die ersten Blumen sprießen und die Tierwelt erwacht, nimmt man die Natur viel intensiver wahr – ideale Voraussetzungen für ein nachhaltiges Achtsamkeitstraining. Allein die Mittagspause reicht aus, um seine Sinne zu schärfen. Sitzt man auf einer Parkbank und lauscht den Geräuschen rings um sich herum, ist das die beste Mittagsmeditation. Dazu versorgt einem das Sonnenlicht im Gesicht mit ordentlich Vitamin D. Auch die Nase ist ein guter Achtsamkeitscoach im Frühling. Nimmt man sich hier und da ein paar Minuten Zeit, einfach mal ganz bewusst in die Natur zu schnuppern, ist es erstaunlich, was für eine Geruchsvielfallt diese zu bieten hat. Wer einen extra Energieschub braucht, taucht tief ab ins dichte Grün: Der japanische Achtsamkeitstrend „Waldbaden“ zielt darauf ab, beim aufmerksamen Spaziergang im Schutz der Bäume zu entschleunigen und neue Lebenskraft zu schöpfen.

Slow Activity

Egal ob spazieren gehen, Fahrradfahren oder Yoga-Asanas bei offenem Fenster – um richtig aus dem Winterschlaf zu erwachen, ist Bewegung an der frischen Luft das A und O. Bereits kleine aktive Einheiten kurbeln den Hormonhaushalt, den Kreislauf und den Blutdruck an. Dabei reicht es für den Anfang schon, kleine Alltagsroutinen auf mehr Fitness umzustellen: Lieber mit dem Rad fahren anstatt mit dem Auto, die Treppe dem Aufzug vorziehen oder nach dem Essen lieber eine Runde um den Block gehen als sich gleich auf die Couch zu legen. Zu welcher Tageszeit man sein Aktivitätenlevel erhöht, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist nur, sich regelmäßig und länger draußen aufzuhalten, denn nur dann steigert man seine Vitalität und tankt automatisch Tageslicht – die Basis für mehr Motivation und ganzheitliche Balance.

Mehr Energie durch Superfoods

Um den Frühling mit voller Power willkommen zu heißen, ist auch ein Blick auf den Speiseplan sinnvoll. Während im Winter die Lust auf warme und deftige Mahlzeiten groß ist, empfiehlt sich im Frühling eine Basen-Kur, um den Körper zu entlasten. So beugt man auch einer gefährlichen Übersäuerung, die durch zu viel industriell gefertigten Zucker, Alkohol oder Weißmehl entstehen kann, vor. Im Idealfall dauert eine Basen-Kur drei Monate. In der Zeit kommen nur basische Lebensmittel wie Gemüse, Blattsalat, Trockenfrüchte oder Nüsse auf den Teller.

Auch in der indischen Heillehre Ayurveda sind für die meisten „Dosha-Typen“, also Lebensenergien-Typen, im Frühling besonders süße, saure oder salzhaltige Lebensmittel tabu. Ebenso sollte auf ölige oder schwer verdauliche Speisen, wie beispielsweise Käse, Fleisch oder Fisch, verzichtet werden. Wer seinen gesunden Speiseplan mit exotischen Gewürzen aufpeppen möchte, greift am besten zu Cayennepfeffer, Chili, Ingwer, Knoblauch, Kreuzkümmel, Kurkuma oder schwarzem Pfeffer.

Weitere leckere Energiebringer sind beispielswiese Bananen. Das Obst liefert neben viel Kalium auch gute Kohlenhydrate, die den Körper mit Energie sowie Vitaminen und Ballaststoffen versorgen. Auch dunkle Schokolade ist in Maßen gesund. Sie enthält Theobromin – ein langanhaltender Energielieferant. In Eiern, egal ob gebraten, gerührt oder gekocht, stecken viele Proteine und B-Vitamine, die über den ganzen Tag für eine konstante Energiezufuhr sorgen können.

Frühjahrspower durch Wechselduschen und „Kneipp’schen Espresso“

Und noch ein Frischetipp für alle Morgenmuffel: Um aktiv in einen sonnigen Frühlingstag zu starten, eignen sich Wechselduschen bestens. Der mehrmalige Temperaturwechsel von heißem zu kaltem Wasser verengt und erweitert die Blutgefäße abwechselnd. Dieser Vorgang im Körper wirkt positiv auf das Immunsystem, den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System, das Bindegewebe und sogar auf die Stimmung. Bei einer Wechseldusche beginnt man mit einer warmen bis heißen Dusche. Danach ist erst einmal Überwindung angesagt: Man stellt das Wasser auf kühl bis ganz kalt und führt die Brause von den Beinen ganz langsam bis zur Brust. Lediglich der Kopf wird ausgespart. Danach wechselt man die Wassertemperatur wieder auf warm. Dieser Vorgang wird zwei- bis dreimal wiederholt und mit der kalten Dusche abgeschlossen. Ein noch schnellerer Wachmacher ist der „Kneipp’sche Espresso“: Der Gesichtsguss aus der Wassertherapie nach Kneipp funktioniert, indem man einen kalten Wasserstrahl mehrmals gleichmäßig über das Gesicht laufen lässt, beginnend von rechts über die Stirn nach links. Beide Varianten sind für schwangere oder menstruierende Frauen sowie kranke Menschen allerdings nicht geeignet. Eine Alternative für den Frischekick am Morgen ist eine nasse, kühlende Gesichtsmaske oder Augenpads. Zwar ist die Wirkung nicht so intensiv, kann als Wachmacher aber unterstützend wirken.

Ähnliche Beiträge:

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner
Stielwarzen entfernen